MarteMeo-Videoberatung und die Frage der Qualitätssicherung

 

Die Verbreitung der MarteMeo-Methode schreitet auch in Deutschland erfolgreich voran. In immer mehr Regionen des Landes können Ratsuchende durch diese Methode eine Unterstützung erfahren. Im Internet finden sich zunehmend mehr Angebote für eine MarteMeo-Beratung. Öffentliche Jugendhilfeträger finden inzwischen mehr Anbieter MarteMeo-Beratung, um auch diese Beratungsmethode im Rahmen  von „Hilfen zur Erziehung“ nach § 27 ff. SGB VIII nutzen zu können.

 

Dieser schöne Erfolg muss flankiert werden durch die notwendige Sicherstellung der Qualität dieser Angebote. In den ersten Jahren der Verbreitung der MarteMeo-Methode in Deutschland erfolgte die Weiterbildung der Fachkräfte ausschließlich durch die Begründerin der Methode, Maria Aarts, persönlich oder aber zumindest mit ihrer Mitwirkung. Maria Aarts kannte daher die hier ausgebildeten Fachkräfte persönlich, wusste um ihre Stärken und konnte sicher sein, dass ihre fachlichen und ethischen Standards eingehalten wurden.

 

In dem Maße, wie mehr und mehr Institute und Personen in Deutschland ausbilden, braucht es eine Verständigung über die Einhaltung der curricularen und ethischen Standards der Methode. Auf Zeit und Dauer wird daher – analog zum skandinavischen Netzwerk - für das deutsche MarteMeo-Netzwerk die Diskussion und verbindliche Festlegung von guten fachlichen Standards für Beratung und Ausbildung erforderlich sein. Bis dies geleistet ist, sind sowohl Ratsuchende als auch Weiterbildungsinteressierte gut beraten, sich frühzeitig Informationen einzuholen und so selbst für eine angemessene Qualitätsüberprüfung zu sorgen. Die nachstehenden Informationen sollen dafür eine Anregung bieten:

 

 

a) Hinweise für Ratsuchende, die eine
MarteMeo-Beratung wünschen

 

Sie können sich in erster Linie an den Weiterbildungsabschlüssen der Personen orientieren, die eine MarteMeo-Beratung anbieten. Eine MarteMeo-Beratung darf nur anbieten, wer mindestens als „MarteMeo therapist“ (= Beratungsqualifikation) zertifiziert ist. Der Abschluss „Practitioner“(=  Anwendungsqualifikation) qualifiziert die Fachkraft nur, die Methode in der eigenen Arbeit (zum Beispiel in der pädagogischen Arbeit mit Kindern) anzuwenden. Das Zertifikat „Practitioner“ stellt keine Beratungsqualifikation dar.

 

Der Abschluss „MarteMeo-Colleague Trainer“ (= Fachberaterin) bezieht sich nur auf den Kontext der Beratung von Fachkräften (z.B. Kolleginnen und Kollegen in einer Kindertagesstätte). Eine qualifizierte Beratung von Eltern beispielsweise ist mit diesem Abschluss nicht automatisch sichergestellt.

Fragen Sie daher bei Interesse unbedingt nach dem jeweiligen Abschlussniveau und lassen sich ggf. das Zertifikat zeigen.

 

Wenn Sie in eine MarteMeo-Beratung (schriftlich) einwilligen, gelten einige ethische Standards, die nicht unterschritten werden dürfen. Vor Beginn der Beratung sollten Sie umfassend über Marte Meo informiert worden sein. Qualifizierte Fachkräfte sprechen mit Ihnen nicht nur über die Methode, sondern zeigen ggf. auch einen Demonstrationsfilm, damit Sie sich ein „eigenes Bild“ machen können. Sie erhalten genügend Zeit, um abzuwägen, ob Sie dieses Beratungsangebot in Anspruch nehmen möchten und werden weder zeitlich noch inhaltlich unter Druck gesetzt.

 

Wenn mit Ihrer ausdrücklichen schriftlichen Einwilligung in Ihrem Lebensumfeld gefilmt wird, bleiben die erstellten Filme Ihr „geistiges Eigentum“. Daraus folgt, dass Sie auf Wunsch immer eine Kopie der Filme erhalten, wenn Ihnen dies wichtig ist. Auch welche Situationen aus Ihrem Alltag gefilmt werden, stimmen Sie gemeinsam mit der MarteMeo-Beraterin ab. Ihre Anliegen nach positiver Veränderung stehen immer im Mittelpunkt der Beratung. Nach Beendigung Ihrer Beratung haben nur Sie das Recht zu bestimmen, was mit  Ihren Filmen geschieht. Sie können zum Beispiel festlegen, dass sie komplett gelöscht werden müssen. Ohne Ihre ausdrückliche schriftliche Zustimmung dürfen Ihre Filme anderen Personen nicht gezeigt werden.

 

 

b) Interesse für eine Weiterbildung in der Methode

 

Wenn Sie mit dem Gedanken spielen, eine Weiterbildung nach der MarteMeo-Methode zu absolvieren, können folgende Aspekte eine erste Orientierung bieten:

 

Prüfen Sie beispielsweise im Internet, welche Angebote Sie in Ihrer Region oder darüber hinaus finden und vergleichen Sie die gefundenen Angebote. Weiterbildungen in der MarteMeo-Methode dürfen nur zertifizierte „MarteMeo-Supervisor/innen“ anbieten. Diese Fachkraft sollte angeben können, welche/r „Licensed Supervisor“ (= internationale Ausbildungsberechtigung) sie zertifiziert hat und wer die Weiterbildung fachlich begleitet.

Zwei Sonderfälle: Einer liegt vor, wenn eine Fachkraft in Ausbildung zur Supervisor/in ist. Hier sollte angegeben sein, wer die Supervisionsausbildung leitet. Die Ausbildung von MarteMeo-Supervisor/innen darf nur durch die genannten „Licensed Supervisor“ erfolgen, welche wiederum nur von Maria Aarts persönlich ernannt werden.

Einer zweiter betrifft "Colleague Trainer". Sie sind berechtigt, im Rahmen der eigenen Einrichtung oder Institution - aber nur hier! - Grundkurse für "Practitioner" anzubieten.

 

Achten Sie auf die Einhaltung von Standards der Weiterbildung. Es entspricht dem internationalen Standard, wenn Sie vor Vertragsunterzeichnung eines Weiterbildungsvertrages ein kostenloses Informationsgespräch oder eine Einführungsveranstaltung besuchen können, wo all Ihre Fragen beantwortet werden können. Das Curriculum sollte Ihnen schriftlich vorliegen. Nach den geltenden curricularen Standards von Maria Aarts umfasst ein Grundkurs (= Anwendungsstufe) sechs Weiterbildungstage, der Aufbaukurs (= Beratungsstufe) mindestens 12 bis 16 Tage, so dass die vollständige Beratungs-Weiterbildung 18 bis 22 Tage umfasst. Sollten Sie ein Angebot finden, welches deutlich weniger Tage umfasst, kann ggf. die Qualität in Zweifel gezogen werden. Es sollte sichergestellt sein, dass ein angemessenes Verhältnis von Seminarzeit (Informationsvermittlung und Übungen) und Supervisionszeit (Reflexion der eigenen Arbeit) besteht. Wenn nach einem „Basiskurs“ nur noch Supervisionstage angeboten werden, kann die didaktische Qualität der Weiterbildung ebenfalls angezweifelt werden. Sie sollten in der Weiterbildung die Gelegenheit haben und aufgefordert sein, ungefähr fünf Beratungsprozesse unter Supervision durchzuführen. Ihre Weiterbildung sollte mit einer Präsentation enden, bei der Sie mit Ihrem eigenen Filmmaterial zeigen, dass Sie die Methode beherrschen.

Ein weiterer struktureller Aspekt kann die Information sein, ob der Anbieter der MarteMeo-Weiterbildung berechtigt ist, staatliche Förderleistungen für Weiterbildung wie Bildungsscheck, Bildungsgutschein oder Bildungsprämie anzunehmen und einzulösen.

 

Zuletzt sei auf die alte Regel hingewiesen, dass es sich meist immer lohnt, von den Erfahrungen anderer Menschen zu profitieren. Fragen Sie daher in Ihrem beruflichen Kontext herum, wer jemanden kennt, die oder der eine MarteMeo-Weiterbildung bei diesem Anbieter bzw. bei an anderer Stelle absolviert hat und kontaktieren Sie diese Person. Es könnte sich für Sie lohnen.

 

Prof. Dr. Peter Bünder

MarteMeo Licensed Supervisor