Deutsches MarteMeo-Netzwerk

 

Obwohl die Zahl derjenigen Personen, die eine zertifizierte MarteMeo-Weiterbildung absolviert haben, kontinuierlich zunimmt, ist das gesamte deutsche Netzwerk noch vergleichsweise klein.

 

Die ersten Weiterbildungen in Deutschland wurden in Köln beim "Kölner Verein" durchgeführt. In den letzten Jahren hat sich die Zahl der Supervisorinnen und Supervisoren deutlich erhöht, die Weiterbildungen anbieten. Ebenso hat sich die Zahl der von Maria Aarts ernannten "Licensed Supervisoren" in Deutschland von ursprünglich drei auf 37 (2017) deutlich ausgeweitet.

 

Während die anderen nationalen Netzwerke wie in Schweden oder Norwegen bereits sehr lange einen etablierten organisatorischen Rahmen bieten (Netzwerkzeitschrift, regelmäßige Konferenzen), wird der organisatorische Rahmen in Deutschland erst seit einigen Jahren entwickelt.

 

   

MarteMeo-Bewegung

Seit Herbst 2008 gibt es eine von Maria Aarts unterstützte Aktion mit den Namen "MarteMeo-Bewegung Deutschland", die sich zum Ziel gesetzt hat, MarteMeo in Deutschland noch bekannter zu machen. Dazu dienen unter anderem fünf Regionalgruppen, die die Arbeit der mit MarteMeo arbeitenden Kolleginnen und Kollegen vernetzen wollen.

Weitere  Informationen dazu finden Sie auch auf unserer Unterseite "Info für Ratsuchende".

  

Weitere allgemeine Information dazu erhalten Sie auf der Internetseite von Maria Aarts unter "www.martemeo.com".

 

 

Werbung für MarteMeo-Angebote

Ein weiterer Schritt zum Ausbau eines Netzwerkes ist die Idee  dieser nationalen Internetplattform, die als Informationsforum angeboten wird.

Diese Homepage eröffnet allen eingetragenen MarteMeo-Mitgliedern  des Netzwerkes die Möglichkeit, über eigene Aktivitäten und Angebote zu informieren.

Eine Mitgliedschaft setzt eine zertifizierte Qualifikation in der MarteMeo-Methode voraus. 

 
 

MarteMeo in Malawi (Afrika)

 

Am Dienstag, dem 13. November 2018 findet im Rahmen eines „Themenabend“ des Kölner Vereins für systemische Beratung e.V. im Bürgerzentrum Engelshof in Köln-Porz um 19:00 Uhr eine spannende Veranstaltung statt, in der die MarteMeo-Therapeutin Ute Reichl, die in Erftstadt im Rahmen ihrer Tätigkeit als systemische Familienhelferin seit vielen Jahren mit der Videoberatung nach der MarteMeo-Methode arbeitet, ein zweites Mal über ihr ehrenamtliches Engagement in Afrika berichtet und Filme zeigt.

In ihrer Freizeit unterstützt sie als Mitglied des Vereins „Kunyumba e.V.“ aus Köln die Unterhaltung einer Kindertagesstätte in Senga Bay  in Malawi (Afrika) für Waisen, Kinder mit geistigen und/oder körperlichen Behinderungen sowie sonstige Härtefälle.

Lesen Sie hier den zweiten Teil ihres Berichtes:

  

Eine weitere kleine Erfolgsgeschichte aus Malawi

Noch tief beeindruckt von der nachhaltigen Wirkung der ersten MarteMeo-Aufnahmen mit Mtima und Kingless packte ich auch in den folgenden Jahren den Camcorder und mein Notebook in den Koffer zwischen Spielmaterial, festen Kinderschuhen, Krücken und Snoozel-Tücher, wenn ich mich wieder für einige Wochen auf den Weg nach Malawi in das Projekt KUNYUMBA machte. Für Gift (in der Landessprache Chichewa: Kibo; übersetzt: Geschenk), ein Junge aus dem Projekt, kam der MarteMeo-Einsatz genau zum richtigen Zeitpunkt…

 

 

Der achtjährige Kibo wurde 2013 von seinen verzweifelten Eltern zum Projekt gebracht. Er litt unter Epilepsie, hatte mehrere Anfälle in der Woche, er sprach nicht, gab manchmal unverständliche Laute von sich und es war nicht klar, ob auch möglicherweise eine Hörschädigung vorlag. Wie viele Familien am Malawisee hielt sein Vater die Familie als Fischer über Wasser und seine Mutter trocknete den Fang auf den landestypischen Holzrecks in der Sonne. In der Vergangenheit hatte Kibos Mutter ihn mit zur Arbeit genommen. Dies war nun nicht mehr möglich, da er immer wieder weglief oder andere Menschen, Erwachsene und Kinder mit Bissen attackierte. Kibo war schon zu diesem Zeitpunkt ein kräftiger Junge. Er versuchte immer wieder, in Kontakt mit den anderen Kindern zu kommen. Aber seine ungestüme Art und die mangelnde Fähigkeit der sprachlichen Kommunikation führte immer wieder zu Ablehnungen und Kibo biss dann wie ein frustriertes Tier um sich. Als erste Bisswunden bei den anderen Kindern zu beklagen waren, überlegten wir, ob und wie Kibo im Projekt „gehalten“ werden konnte.

 

 

Da 2014 sowieso ein weiterer männlicher Mitarbeiter zur körperlichen Pflege der heranwachsenden Jungen eingestellt werden sollte, schlug ich vor, Michael (der Name des neuen Mitarbeiters) 3-6 Monate Kibo sozusagen als „Einzelfallhelfer“ zur Seite zu stellen, mit ihm und den anderen Kindern eine Art Zeichensprache zu entwickeln, mit der alle mit Kibo kommunizieren können und zusätzlich die Beiden intensiv mit MarteMeo zu begleiten, um Michael dahingehend zu sensibilisieren, die wohlgemeinten Kontaktversuche von Kibo wahrzunehmen. Auch hier wurde die Pflegesituation im 1:1-Kontakt (Waschen, Zähneputzen, Eincremen, Anziehen) gefilmt. Diesmal lag die Kunst darin, dass Michael sich durch die Aufnahmen nicht zu sehr beobachtet und unter Druck gesetzt fühlte – dachte er doch, dass eine Weiterbeschäftigung auch vom Gelingen der Pflegesituation abhängig sei. Dazu kamen Sprachbarrieren, in den Reviews wurde ein Kauderwelsch aus Englisch, Chichewa und vielen „AAAAHs“ und „OOOOHs“ kreiert und mit Hilfe der Bilder…verstanden. Es war erstaunlich, wie schnell Michael die Initiativen von Kibo in den Filmen erkannte und er gemeinsam mit mir kleine Reaktionen kreierte, um dem Jungen zu verdeutlichen, dass seine Aktion wahrgenommen wurde. Kibo freute sich darüber sichtlich, was auch Michael in den Reviews zum stolzen Lachen brachte. Er wirkte sehr erleichtert, dass dieses achtsame Zusammenspiel (take turns) eine in der Regel körperliche Auseinandersetzung mit dem Jungen vermeiden konnte. Michael war in den nächsten Wochen ein ständiger Begleiter an Kibos Seite, „übersetzte“ Kibos Initiativen auch für die anderen Kinder und umgekehrt für Kibo in deutliche Handzeichen oder auch Mimik für Gefühle, die bis heute Gültigkeit haben und allen Beteiligten ein unbeschwertes Aufeinander zugehen ermöglichen.

Auch zuhause ist der Umgang mit dem immer kräftiger werdenden Jungen leichter geworden. Als Dankeschön gab es bei meinem letzten Besuch in Malawi 2017 von Kibos Mama eine Portion sonnen-getrockneten Fisch und ein strahlendes Lachen von Mama und Sohn.

  

 

Anhand dieses weiteren Beispiels zeigt sich erneut, wie kultur- und sprachübergreifend MarteMeo eingesetzt werden kann und wie nachhaltig dies die Lebensqualität von Menschen verbessern kann. Ich bin sehr dankbar, dass ich MarteMeo mit nach Malawi bringen konnte und Peter als Teamleiter mich fragte, ob ich nicht dort jährlich ein Training mit ihm und den Mitarbeiter*innen durchführen könne, vor allem für den Umgang mit den stark beeinträchtigten Kindern. Das heißt für mich in der Zukunft, für genügend geladene Akkus zu sorgen, da vor Ort eine zuverlässige Stromversorgung nach wie vor nicht gewährleistet ist.

Ute Reichl

 

Weitere Informationen über „Kunyumba e.V.“ unter: www.kunyumba.org